Geschriebenes

Foto: Robert Biermann
Design: erstellt mit Canva

Mein E-Book „Circles“ ist ab jetzt im Online-Buchhandel eures Vertrauens erhältlich! Die ISBN lautet 978-3-7541-7905-5.

Das Buch umfasst insgesamt neun fantastische Kurzgeschichten. Entstanden ist es durch das Projekt „InSzene – eine Hörgeschichtensammlung“. Circles lautet der Name der ersten Staffel. Wer die Geschichten lieber hören möchte, findet hier und auf Spotify etwa alle zwei Wochen einen neuen Upload.

Inhalt:

Für seine Ausbildung zum Geschichtenhüter soll sich der junge Abubakar mit „Circles“, einem unscheinbaren Büchlein aus der Bibliothek von Sarandis beschäftigen. Die sieben darin befindlichen Kurzgeschichten handeln von unterschiedlichen Schlüsselmomenten im Leben der Protagonisten, deren Wege teilweise miteinander verbunden sind. So geht es etwa um die Erlebnisse der Kolkrabin Lorana, die sich nach einem schmerzhaften Verlust von den Menschen abwendet und nach einem neuen Lebensraum sucht.

Übrigens: Wer sich eine zweite Staffel der Hör- und Lesgeschichten wünscht, kann mich unterstützen! Entweder indirekt durch einen Kauf der E-Büchleins im Buchhandel seines Vertrauens oder mit einer Donation über Paypal. Das ist natürlich kein Muss.

Viel Spaß beim Lesen und Hören!

Über Fäden und Spinner

 

Der folgende Text ist von 2019. Ich habe ihn in der Zeit geschrieben, in der ich mich auf meine Selbstständigkeit vorbereitet habe. Kurz davor hatte ich mein Volontariat beendet. Für dieses hatte ich 2017 einen Vertrag unterschrieben, in dem festgehalten worden war, dass es im Anschluss keine Übernahme geben würde. Was für ein Glück!

Was würde so manch einer um einen Faden geben, der so reißfest ist, wie das Leben dauert. Doch so ein Faden ist heutzutage oft nur ein, vielleicht zwei Jahre lang, und teilweise so dünn, dass man schon genau schauen muss, wo man hin greift, um nicht herunterzufallen.

Doch auch Fäden, die manchmal zehn oder zwanzig Jahre in eine Richtung streben, reißen irgendwann vielleicht, und festhalten will man sich an ihnen auch nicht immer. Vor allem nicht, wenn der Griff schwächer wird und die Hängenden um einen herum Dinge denken und sagen, wie: „In zwei Jahren geht die sowieso“.

Oder, wenn man noch jung ist, und dieselben Hängenden erzählen, dass man ja doch keinen dieser ausgedünnten Lebensabend-Fäden mehr abkriegt, die jetzt die Alten in Ermangelung anderer Möglichkeiten an ihr vierzig Jahre altes Geflecht hängen. Die Zynischen unter ihnen sehen ihn auch als festen Strick, an dem sie dann am Ende baumeln. Abgeben an Fadenlose wollen sie von ihrem eigenen Halt, über den sie nur allzu oft meckern, lieber trotzdem nichts.

Wie ist es denn jetzt wirklich? Da nimmt man doch, was man kriegen kann. Egal, wie dünn es ist. Denn man möchte ja nicht ins Loch rauschen. Dann doch lieber Niedriglohngeflechte aus undankbarem Material. Mit der antiproportionalen Formel: Je sozialer die Tätigkeit, desto schlechter die Griffigkeit.

Von diesen Fäden nehmen sich einige nicht nur einen. Nein, da nimmt man sich den einen und knüpft ihn an den nächsten, bekommt mal ein Stück geliehen, einige geschenkt, von denen, die man vorher in Gemeinschaftsarbeit erschaffen hat. Und versteht mich nicht falsch, es ist schön, dass es solche Fäden gibt. Doch sollten nicht die Fäden, die wir weben, immer auch zum Überleben nützlich sein, und denen, die nicht mehr weben können, einen Halt bieten?

Denn bedenkt, manchmal hängt noch jemand anderes daran, vielleicht sogar zwei oder drei, die von zwei oder nur von einem sehr dünnen Faden gehalten werden. Und diese anderen, die sich mit festhalten, lassen – Gott sei Dank – nur die wenigsten fallen.

Manchmal kommt es vor, dass wenn die Fäden enden, sich die Menschen aufmachen, und keinen dieser hingehaltenen nutzen oder schlicht keinen bekommen können. Diese fangen dann das Spinnen an. Das kann schiefgehen, denn das Netz unter diesen Spinnern ist anfangs durchaus dünner als unter denen, die sich an Fäden hängen, die von etablierten Konzernen hingehalten werden.

Aber es könnte auch sein, dass man sich an solchen Fäden irgendwann doch ganz gut festhalten kann. Vielleicht kann man sogar einige Unterfäden abgeben und selten sogar Traumautos und Immobilien dranhängen.

Doch sollte man gerade zu Anfang vorsichtig sein, denn da halten sie manchmal kaum das eigene Selbst.

Und doch:

So ein selbstgesponener Faden, auch ohne Traumautos und Immobilien, dafür aber mit genügend freiem Schwung, sieht für manche ganz verlockend aus. Und ist oft länger als so ein Zwei-Jahres-Faden, unter denen die Netze zwar dicker, aber auch nicht ewig haltbar sind. Auch mich hat das verlockt. Deshalb bin ich Spinerin – und gebe gern an Fadenlose ab.

Denise McConnell